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Fusionsforschung: Forscher erzielen Rekorde am Wendelstein 7-X

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Es wird wieder gebaut am Wendelstein 7-X. In zwei Jahren sollen die nächsten Experimente an der Fusionsforschungsanlage in Greifswald durchgeführt werden. Es gilt dann, die Bestmarken für Stellaratoren, die in diesem Jahr aufgestellt wurden, zu übertreffen. (Wendelstein 7-X, Internet)
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lioman
17 days ago
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Karlsruhe
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Die Iden des Merz

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Seit einigen Tagen frage ich mich, ob Chemtrails keine Verschwörungstheorie sondern Realität sind.

Sie wissen schon, das ist diese Behauptung, Kondensstreifen am Himmel seien gar keine Kondensstreifen, sondern Gase die von Bundesregierung/EU/jüdischer Weltregierung (suchen Sie sich was aus) versprüht würden um die Bevölkerung ruhig zu halten.

Auch habe ich am vergangenen Mittwoch nicht konzentriert in den Himmel geschaut, um vermehrte Kondenstrailaktivitäten zu erspähen. Vielleicht war da ja was und wir alle haben es übersehen?

Das wäre zumindest eine leichter verdauliche Erklärung für die Berichterstattung rund um Friedrich Merz‘ Kandidatur für den CDU-Vorsitz, die er an jenem Tag öffentlich machte, als die Erkenntnis, dass Redaktionen, Politiker und leider auch sehr medienkundige Menschen im Internet derart geblendet von der Option Merz sind, dass sie die Funktionalitäten der digitalen Mediengesellschaft vollständig wegignorieren.

In solchen Momenten muss man ja als Blogger in diesen Zeiten einen Einschub machen und sich positionieren, sonst halten voreingenommene Menschen einen ja für voreingenommen. Deshalb schiebe ich hier mal rein, dass ich mutmaßlich mit Merz etliche Positionen teile. Ich bin überzeugter Marktwirtschaftler und halte tendenziell weniger Regulierung und mehr Markt für eine bessere Herangehensweise in einer globalisierten Welt. Auch hat sich Merz in seiner Pressekonferenz mit der Erwähnung der Umweltpolitik klar als Bündnispartner der Grünen positioniert – ein Schritt, den ich für richtig halte. 

Nun ist das natürlich ein wenig verständlich. Sascha Lobo schrieb jüngst in seiner Spiegel Online-Kolumne:

„Menschen sind ungerechte Knalldackel, sie bewerten alles und alle auf den ersten Blick, stereotyp dem Anschein nach, und finden später vermeintlich hochrationale, ihnen selbst vernünftig erscheinende Argumente dafür. So lautet sanft vereinfacht die Thesenlandschaft im Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ des Nobelpreisträger Daniel Kahneman.“

Selbstverständlich gibt es auch Merz-Kritiker. Das für mich Erstaunliche ist die Art der Kritik. Sie beschränkt sich allein darauf, Merz‘ Tätigkeit seit seinem Politik-Moratorium zu dämonisieren. Er arbeitete unter anderem für den Fondsanbieter Blackrock (dem ich nicht negativ gegenüber stehe), die Bank HSBC Trinkaus (die möglicherweise von Cum Ex-Geschäften profitierte) oder die Axa.

Dies halte ich generell nicht für verwerflich – all dies sind wichtige und seriöse Unternehmen. In Sachen Cum Ex ist vieles offen und ich halte nichts von Vorverurteilungen. Merz wegen seiner Tätigkeiten – die sich vollumfänglich im Rahmen seriöser Arbeit bewegten – als Abgesandten des Bösen zu portraitieren halte ich weder für zielführend noch für seriös. In einer Gesellschaft, die sich gern polarisieren lässt, hilft dies sogar noch der Merz-Euphorie: Viele stellen sich jetzt gern hinter den scheinbar zu Unrecht angegriffenen.

Allerdings: Ich habe noch niemand gesehen, der sich mit den Folgen eines CDU-Vorsitzenden (und damit möglichen Kanzlers) Merz beschäftigt.

Merz kann nicht unabhängig entscheiden

Denn für mich hat Friedrich Merz einen Makel, der ihn als sinnvolle Besetzung jener beiden Ämter ausschließt: Er kann in zu vielen Bereichen keine Entscheidungen treffen, ohne den Vorwurf der Beeinflussung, gar der Bestechlichkeit aufkommen zu lassen.

Denn stellen wir uns den Kanzler Merz einmal vor.

Wofür könnte er eintreten?

Logische Ideen wären beispielhaft:

  • Mehr private Altersvorsorge durch Förderung der privaten Aktienanlage
  • Beibehaltung der Trennung von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung – mit Tendenz in Richtung der Privaten
  • Weniger Regulierungsmaßnahmen für zahlreiche Wirtschaftssparten
  • Keine strengere Bankenregulierung
  • Mehr Freihandelsabkommen
  • Mehr Handel mit China

Man kann für diese Maßnahmen sein oder gegen sie. Würde ein Kanzler Merz aber für eine dieser Richtungen eintreten, müsste er sich sofort den Vorwurf anhören, damit seine Ex-Arbeitgeber zu fördern. Mehr Aktienanlage würde faktisch mehr ETF-Fondskäufe bedeuten – und die kommen von Blackrock. In Sachen Versicherungen würde sich die Axa freuen, Handel mit China die BASF.

Selbst wenn Merz der sauberste der Saubermänner wäre: Diese Bestrebungen würden stante pede der politischen Gegenseite Munition liefern. Die AFD versteht es wie keine andere Partei, Fakten zu verdrehen und halbwahrheitig in leicht merkbare Schnippsel zu verwandeln, die via Social Web an das Wahlvolk gestreut werden. So könnte die AFD ein weiteres Stück der Mitte angraben: Jene Wähler, die das ungute Gefühl hegen, dass die Wirtschaft mit zu viel durchkommt und zu wenig an die Kandarre genommen wird – Hashtag #Dieselskandal.

Auch die Medien wären flott dabei über diese Ambivalenz zu berichten. Derzeit schreiben einige von ihnen Merz auf geradezu absurde Art in den Himmel. Beispiel „Der Spiegel“ in Gestalt von Tim Bartz. Er sieht in der Blackrock-Tätigkeit kein Problem:

„Blackrock investiert in alle möglichen Firmen, hält aber selten mehr als fünf Prozent der Stimmrechte. Damit lässt sich kaum Macht ausüben. Zudem legt der Fonds vor allem passiv an und schaut zu, was so passiert. Eines der raren Gegenbeispiele datiert von 2015, als Blackrock den Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain abschoss. Das war allerdings höchst überfällig und ohne das Zutun vieler anderer Aktionäre unmöglich.“

Es lässt sich damit kaum Macht ausüben – außer den Deutsche Bank-Chef abzuschießen. Hat Bartz seinen Text mal gegengelesen (oder gegenlesen lassen)? Und hat er mal gelesen, wie die Kollegen das so sehen? Ich empfehle da einfach die Quellen am Ende des Wikipedia-Artikels.

Nur ganz zaghaft sehen wir erste Zuckungen in eine andere Richtung, zum Beispiel in der „Zeit“, die einem Artikel über Blackrock (mit sehr wenige Merz-Aspekten) per Überschrift den Anschein verleihen, er sei bestechlich. Headline: „Im Auftrag des Geldes“.

So würde sich recht schnell jener „politische Druck“ aufbauen, der Regierungen destabilisiert.

Zwischenmenschliche Kontakte könnten als politischer Zugang gewertet werden

Hinzu kommt das Thema Zugang. Merz hat (hoffentlich für ihn) seit 9 Jahren vertrauensvoll mit den Vertretern vieler Unternehmen und Verbände zusammengearbeitet. Im für ihn schönsten Fall hat man sich auch menschlich gut verstanden, hat die privaten Handynummern in den iPhone-Kontakten, trifft sich auch mal zum Abendessen mit Ehepartnern.

All dies müsste ein Kanzler Merz radikalst kappen. Keine Anrufe, mehr keine Treffen, keine Abendessen. Bei einem Empfang des BDI dürfte nicht mal an Anstoß-Foto mit dem Deutschland-Chef der Axa entstehen. Denn auch nur ein beobachtetes Zusammentreffen würde Verschwörungstheorien befeuern. Vielleicht dürfte Merz nicht mal auf Branchenkonferenzen sprechen, schließlich reicht bei der Bilderberg-Konferenz das bloße Dasein für Weltverschwörungsphantasien.

Wenn ich dies in den vergangenen Tagen auf Facebook oder Twitter diskutierte, entwickelten selbst kluge, medienkompetente Menschen eine erstaunliche Scheuklappigkeit. Wenn man dies „konsequent zu Ende denke“ (andere Begrifflichkeit für: „in Schwarz und Weiß denken“), schrieb einer, dann sei ein Wechsel aus der Wirtschaft in die Politik nicht möglich.

Merz ist kein alltäglicher Wirtschaftsvertreter

Das ist natürlich unrichtig. Hier wird getan, als sei Merzens Vita der Alltag. Doch das ist sie eben nicht. Es gibt zunächst einmal eine nur sehr geringe Zahl jener Super-Multi-Aufsichtsräte in Deutschland. Ob sie für ein Amt in der Politik geeignet sind, müssen wir diskutieren. Meine aktuelle Haltung: Nein. Noch dazu, wenn die Finanzbranche involviert ist, die im Vergleich zu anderen Branchen eine Art Deckschicht der Wirtschaft ist (weshalb sie ja so systemrelevant ist). Es entstehen zu viele Situationen, in denen ein solcher Ex-Super-Multi-Aufsichtsrat als Politiker Entscheidungen treffen muss, die seine ehemaligen Geldgeber tangieren.

Würde ein Manager aus der Lebensmittelbranche, ein Mittelstandspartriarch aus Maschinenbau oder ein Startup-Gründer um ein politisches Mandat ersuchen, gäbe es zwar auch problematische Berühungspunkte – doch sie wären bei weitem nicht derart intensiv.

Im Falle Merz gibt es eine weitere Dimension. Er erhielt diese Posten ja – seien wir ehrlich – weil er zuvor in der Politik aktiv war. Das ist auch nicht zu kritisieren. Natürlich ist es für ein Unternehmen hilfreich, jemand im Aufsichtsrat zu haben, der politisch denkt und in der Politik vernetzt ist. Aber: Es wird höchst problematisch, wenn diese Person zurück in die Politik will.

Im Leben treffen wir Entscheidungen, die nicht revidierbar sind. Ich kann mit fast 50 nicht mehr Tennisprofi werden, zum Beispiel. Da hätte ich in der Jugend mehr trainieren müssen, hätte das Angebot, in der Mannschaft des ASV Senden zu spielen annehmen müssen (ich wollte Sonntags lieber ausschlafen), hätte weniger Zeit für Studium und Freizeit gehabt und wäre vielleicht niemals Journalist geworden. Aus meiner Sicht hat Merz nach seinem Abschied aus der Politik berufliche Entscheidungen getroffen, die honorig, verständlich und nicht zu kritisieren sind. Angesichts des aktuellen gesellschaftlichen Klimas machen sie aber eine Rückkehr in die Politik zu einem schweren Problem.

Ich bin verwundert, dass sowohl Medien als auch jene Medienkompetenten in meinen Timelines diese (zumindest für mich – und vielleicht schreibe ich auch gerade fürchterlichen Unfug) klar absehbare Entwicklung nicht nur nicht sehen, sondern sie sogar negieren: Dass ein Kanzler Friedrich Merz zu Destabilisierung der Gesellschaft beiträgt, weil er in zu vielen Gebieten nicht frei entscheiden kann ohne sich in den Ruf der Beeinflussbarkeit zu bringen. Merz wäre Gold für die AFD.

(Foto: Karl Mörk; CC-BY 3.0 DE)

Der Beitrag Die Iden des Merz erschien zuerst auf Indiskretion Ehrensache.

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lioman
39 days ago
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Karlsruhe
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Hans-Georg Maaßen: Im Felde unbesiegt

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Nicht er sei schuld an seinem Ende, findet Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Sondern die linke Meinungsdiktatur. Er strickt an einer gefährlichen Dolchstoßlegende.
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lioman
39 days ago
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Geldverschwendung: Gönn’s dir, Genosse!

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Wenn linke Politiker sich Luxus leisten, ist der Aufschrei groß. Aber schlechtes Essen und billige Klamotten machen die Welt auch nicht gerechter.
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lioman
41 days ago
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Urheberrecht abgelaufen, trotzdem abgemahnt? Wikimedia kämpft vor Gericht für Gemeinfreiheit

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Dieses Bild des Reiss-Engelhorn-Museum wird auf Wikimedia Commons verfügbar bleiben, egal wie der Prozess ausgeht. Es steht unter einer Creative-Commons-Lizenz und fällt unter die Panoramafreiheit des deutschen Urheberrechts. CC-BY 3.0 Hubert BerberichEntsteht durch bloße Digitalisierung eines gemeinfreien Werks ein neues Schutzrecht am Foto oder Scan? Darüber streiten die Reiss-Engelhorn-Museen seit drei Jahren mit der Wikimedia Foundation vor Gericht. In der mündlichen Verhandlung beim Bundesgerichtshof hatten Freunde der Gemeinfreiheit wenig zu lachen.
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lioman
43 days ago
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Paydirekt und die Vorhersagbarkeit von Disruption

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Vor ein paar Jahren hielt ich einen Vortrag über die Digitalisierung vor hochrangigen Bank-Managern. Paydirekt, der mit viel Trommelei auf den Markt gebrachte Paypal-Konkurrent aus Hause des Sparkassen- und Giroverbandes, war noch recht frisch geschlüpft. Angesprochen auf Paydirekt bezeichnete ich den Dienst als „Totgeburt“, was einige der Zuhörer – wenn ich ihren Gesichtsausdruck richtig gelesen habe – als ziemliche Unverschämtheit empfanden.

Direkt nach mir sprach der geschätzte Sascha Lobo und wurde auf meine Bemerkung angesprochen. Seine Antwort: „Ich sehe das anders als Herr Knüwer – ich bin da pessimistischer.“

Heute veröffentlicht das unbedingt lesenswerte Blog Finanz-Szene nun Nutzerzahlen von Paydirekt:

„Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ gab ein hochrangiger Sparkassen-Manager die Anzahl der Bezahlvorgänge jüngst bei einer Podiums-Veranstaltung auf Nachfrage  hin preis: Es seien rund 40.000 Stück pro Monat – eine Darstellung, die der DSGV  gegenüber „Finanz-Szene.de“ bestätigte. Eine Sprecherin von Paydirekt wollte sich gestern nicht äußern.

Damit bewahrheiten sich Befürchtungen in der Branche, dass die Marktanteile des deutschen Paypal-Klons auch vier Jahre nach dessen Gründung noch immer verschwindend gering sind.“

Wie wir Klein-Latinums-Besitzer sagen: Quod erat demonstrandum.

Gern betonen Würdenträger aus Wirtschaft, Politik und Medien, dass die Zukunft gerade im Digitalen Zeitalter nicht vorhersehbar sei. Das stimmt auch – aber: Es ist möglich, Muster aus den Zeitläuften zu erkennen und deshalb mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Aussagen über Geschäftsmodelle und Entwicklungen zu treffen.

Wer das jedoch bei neuen Geschäftsideen tut, wird in Deutschland als Kritikaster abgetan. Man soll allem erstmal eine Chance geben, es sich entwickeln lassen.

Das ist nach meiner Meinung die falsche Herangehensweise. Gerade weil wir uns in so schnell entwickelnden Zeiten bewegen ist es nötig, sich solcher Kritik auszusetzen. Niemand würde es für eine gute Idee halten, einen begabten Jung-Kicker einfach so ohne Trainer machen zu lassen. Bei Bauprojekten wird versucht, alle Anspruchsgruppen anzuhören. Jährliche Feedback-Gespräche mit Mitarbeitern sind heute die Norm (als ich 1995 meine erste Stelle antrat, war dem noch nicht so).

Sprich: Wir glauben, dass wir unsere Fähigkeiten verbessern, wenn wir einen Blick von außen bekommen. Und bei Geschäftsmodellen soll das nicht so sein?

Nun wird jeder Entwickler einer neuen Geschäftsidee behaupten, genau jenes Feedback eingeholt zu haben. Doch warum bringen die Sparkassen ein Paydirekt raus, die Telekom den inzwischen eingestellten Messenger immmr, Karstadt und Axel Springer ein Myby, Holtzbrinck ein Zoomer und der „Spiegel“ ein Spiegel Daily?

Warum also tun sich gerade größere Unternehmen oder Institutionen so schwer damit, innovative Geschäftsmodelle mit Lebensfähigkeit zu versehen?

Gestern lieferte Andreas Neus, Geschäftsführer des GfK-Vereins, auf dem Digitalk Plus (organisiert von der Digitalen Stadt Düsseldorf und dem Marketingclub Düsseldorf) in einem unterhaltsamen Vortrag eine simpel erscheinende Erklärung: „Unternehmen sind aufgestellt für eine Welt mit hohen Transaktionskosten und Branchengrenzen.“ Doch genau diese beiden Hürden würden im Digitalen Zeitalter nivelliert. Trotzdem ändere sich aber nicht das Denkmodell der Entscheider: „Disruption wird oft übersehen, weil sie nicht zum bestehenden Denkmodell passt.“ Als Beispiel nannte er das Auto: Diesem wurde in seinen Geburtsjahren kein Massenmarkt zugestanden, weil es nicht genügend Chauffeure gebe. Sein Rat (man möchte ihn auf Plakate drucken und vor Konzernzentralen aufhängen): „Digitalisieren sie nicht das vorhandene Geschäft. Digitalisieren sie, was ihre Kunden benötigen.“

Und die Kunden benötigen eben keine neu Methode für sichere Überweisungen aus einem Konto heraus aka „Paydirekt“. Die Kunden wollen bei einem Kauf entscheiden, welcher Zahlungsweg der für sie gerade genehme ist, was eben eine Plattform wie Paypal ermöglicht. Die Kunden wollen nicht den drölfzigstgen Messenger bei dem der Freundeskreis erst wieder ermutigt werden muss, sich dort anzumelden, obwohl es keinen sichtbaren Mehrwert gibt aka „immmr“. Sie wollen auch nicht den siebenhunderdreiundvierzigsten Onlineshop, eine schwer navigierbare Nachrichtenseite oder ein journalistisches Angebot, das nach fünf Minuten veraltet ist.

Nun ist das mit der Digitalisierung der Kundenwünsche ziemlich binsig. Könnte man ja auch so mal darauf kommen. Und ich behaupte, dass die Entscheider, die Paydirekt oder immmr erdachten genau das sagen würden, dass sie nämlich auf die Kundenwünsche geachtet haben. Doch sehe ich eben auch ein Filterblasenproblem bei vielen Unternehmen. Die Entscheider selbst wagen sich aus dem vertrauten Umfeld selten heraus.

Zum Beispiel sind sie höchst selten im Social Web aktiv. Dieses bleibt aber die größte Filterblasenzerplatzmaschine, die wir haben: Wer als Manager Schulfreunden mit anderen Werdegängen folgt, bekommt einen anderen Blick auf die Welt; wer sich auf Twitter Debatten aussetzt, bekommt neue Meinungen (auch wenn diese vielleicht aggressiv oder undurchdacht sind). Auch lassen sich Entscheider zu selten auf Veranstaltungen sehen, die nichts mit der unmittelbaren, eigenen Branche zu tun haben. Die re:publica ist beispielsweise auch so eine Filterblasenzerplatzapparatur, Barcamps können es sein und auch Riesenevents wie die SXSW. Doch selbst dort neigen deutsche Entscheider dann wieder dazu, im deutschen Haus abzuhängen.

Wenn teure Fehlschläge wie Paydirekt oder immmr künftig vermieden werden, wenn mehr tatsächliche Innovationen entstehen sollen müssen Entscheider also raus aus ihrem Kokon, raus aus ihren Glastürmen und stärker hinein in die Welt.

Der Beitrag Paydirekt und die Vorhersagbarkeit von Disruption erschien zuerst auf Indiskretion Ehrensache.

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lioman
44 days ago
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